Formstabile, harte Kontaktlinse
  • Formstabile Kontaktlinsen erleben Renaissance
  • Sauerstoffdurchlässigkeit bis zu 10mal höher als bei Weichlinsen
 

Kontaktlinsen gleichen eine Fehlsichtigkeit direkt am Auge aus. Die Träger einer solchen Sehhilfe profitieren gleich von mehreren Vorteilen gegenüber einer Brillenkorrektion. So kann die Kontaktlinse nicht beschlagen, bespritzen oder anlaufen. Außerdem können Druckstellen auf der Nase oder hinter den Ohren mit Kontaktlinsen vermieden werden. Als angenehmer Nebeneffekt sind die Sehschärfe und die Größe des Gesichtsfeldes mit Kontaktlinsen fast immer besser als mit einer Brillenkorrektur. Grund dazu ist der Entfall des Abstandes vom Auge zur Korrektionslinse.

„Neue, biokompatible Kunststoffe ermöglichen eine bis zu zehn mal höhere Sauerstoffdurchlässigkeit im Vergleich zu älteren Materialien. Die gute Sauerstoffzufuhr zur Hornhaut des Auges führt in Folge zu einer deutlich verbesserten Langzeitverträglichkeit gegenüber herkömmlichen Kontaktlinsen“, erklärt Harald Belyus, Chefredakteur des augenoptischen Fachmagazins OPTIKUM. „Neue Studien berichten über kausale Zusammenhänge zwischen der Sauerstoff-Durchlässigkeit von Kontaktlinsen und Entzündungserscheinungen des vorderen Augenabschnittes. So sind Träger von Kontaktlinsen mit einer geringeren Sauerstoffdurchlässigkeit offensichtlich entzündungsanfälliger [1].“

Aufgrund der geringeren Größe gegenüber weichen Kontaktlinsen bedecken formstabile Kontaktlinsen außerdem einen wesentlich geringeren Anteil der Hornhaut. Geht man von einem durchschnittlichen Durchmesser von 14,00 Millimetern bei weichen und 9,50 Millimetern bei formstabilen Kontaktlinsen aus, so bedeckt die formstabile Variante etwa 32% weniger der Hornhautfläche [2].

Die unkomplizierte Pflege formstabiler Kontaktlinsen ist ein weiterer Pluspunkt. Jetzt belegt eine niederländische Studie auch, dass Komplikationen durch Hornhautinfektionen bei formstabilen Kontaktlinsen wesentlich geringer als bei weichen Kontaktlinsen auftreten [3].

Einen zusätzlichen Vorteil stellt der Einsatz von formstabilen Kontaktlinsen bei einer rasch fortschreitenden Kurzsichtigkeit, einer sogenannten progressiven Myopie, dar. In den meisten Fällen ist bei den Trägern von formstabilen Kontaktlinsen eine Stabilisation der Kurzsichtigkeit zu beobachten. Bei einer Zunahme der Kurzsichtigkeit von mindestens einer Dioptrie in einem Jahr, übernehmen die meisten österreichischen Sozialversicherungen sogar einen nicht unbedeutenden Anteil der Kosten für die formstabilen Kontaktlinsen und deren Anpassung durch einen Kontaktlinsenoptiker.

Bei erwachsenen Trägern von weichen Kontaktlinsen wurde im Rahmen einer universitären Studie – im Gegensatz zu formstabilen Kontaktlinsen - sogar eine teilweise Zunahme der Kurzsichtigkeit beobachtet. Forscher an der Ohio State University sind zur Erkenntnis gekommen, dass ein Fünftel der erwachsenen Weichlinsenträger zwischen 20 und 30 Jahren eine deutliche Zunahme der Kurzsichtigkeit aufweisen [4].

Formstabile Kontaktlinsen punkten zudem in der Regel auch mit einer stärkeren Ablagerungsresistenz im Vergleich zu weichen Kontaktlinsen. Erwähnt muss jedoch werden, dass es deutliche Unterschiede betreffend der Ablagerungsneigung auch auf formstabilen Linsenmaterialien gibt. Je nach Zusammensetzung des Tränenfilms wird der Kontaktlinsenspezialist ein individuelles Material auswählen.

In der Eingewöhnungsphase kann es bei formstabilen Kontaktlinsen zu einem geringen Fremdkörpergefühl kommen. Die Eingewöhnungszeit liegt bei formstabilen Kontaktlinsen meist ein wenig höher als bei weichen Kontaktlinsen.

Formstabile Kontaktlinsen haben derzeit einen Marktanteil von etwa 15%. Länder wie die Niederlande weisen allerdings mit kolportierten 46% der Kontaktlinsenträger einen signifikant hohen Anteil an formstabilen Kontaktlinsen auf. Letztendlich hängt die Entscheidung zwischen einer formstabilen oder weichen Kontaktlinsen von den Anforderungen und Lebensgewohnheiten des Trägers ab. Auch im Bereich der weichen Kontaktlinsen und der Tauschsysteme sind ausgezeichnete Produkte am Markt erhältlich.


Quellen:

[1] Nilson, SE. Bacterial Keratitis and Inflammatory Corneal Reactions: Possible Relations to Contact Lens Oxygen Transmissibility. The CLAO Journal; 28(2):62-65 (2002).
[2] Das OPTIKUM, unabhängiges Augenoptik-Panorama, Warum formstabile Kontaktlinsen? Die Vorteile von RGP-Linsen im Überblick. 10/2003
[3] Cheng et al spricht in einer niederländischen Studie von einer Infektionsrate von 1,1:10000 bei formstabilen Kontaktlinsen und 3,5:10000 bei weichen Kontaktlinsen.
[4] Forschungsprojekt der Ohio State University, Investigative Ophthalmology & Visual Science, 7/2002


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