Martina B.:*
Vor einigen Wochen habe ich die Lesebrille einer Arbeitskollegin ausprobiert und festgestellt, daß ich hiermit sehr gut und entspannt lesen und schreiben
kann. Daraufhin habe ich mir in einem Kaufhaus eine sogenannte Fertiglesebrille mit 1,00 Dioptrien gekauft und benutze sie seither täglich.
Ein Bekannter hat mir jetzt davon abgeraten, da ich erst 35 Jahre alt bin. Diese Brillen sollte man erst ab 40 benutzen.
Bitte um Ihre Meinung.
OPTIKER ONLINE: Fertiglesebrillen sollten wenn überhaupt nur nach eingehender Beratung durch einen Fachoptiker (möglichst richtige Stärke und nach Anpassung) als "Nothelfer"
Sehr geehrte Frau B.!*
verwendet werden. Problematisch ist, dass weder Ihr Pupillenabstand noch die rechts und links unterschiedlich notwendigen Stärken oder ein eventueller
Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) berücksichtigt werden können. Daher entsteht einerseits eine ungewollte, prismatische Wirkung (Ihr Auge muß daher hinter
den falsch dezentrierten Gläsern eine unkontrollierbare Kompensationsbewegung machen und kommt somit aus den normalen Sehachsen) - andererseits entstehen
durch die rechts und links jeweils nicht optimalen Korrekturwerten unterschiedliche Entfernungen, wo Ihr Lesegut scharf gesehen wird.
Fertiglesebrillen verursachen nicht selten sogenannte asthenopische Beschwerden (Kopfweh, Müdigkeit, Konzentrationseinbußen, Übelkeit, ...).
In Ihrem Fall ist die Verwendung doppelt abzulehnen, da aufgrund Ihrer Jugend als Ursache eine Übersichtigkeit in Betracht zu ziehen ist. Sie sollten umgehend einen
Fachoptiker aufsuchen und die optische Ursache für Ihr "Brillenbedürfnis" klären lassen.
*Nachname des Leserbriefschreibers der Redaktion bekannt