Besteht eine Gefahr für Augenschäden beim täglichen Tragen von Weichlinsen?

Kerstin H.:*
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe im Alter von 12 Jahren meine erste Brille bekommen mit einer Stärke von -2,0 Dioptrien. Jetzt bin ich 23 und habe eine Stärke von -5.25 Dioptrien, plus einer Hornhautverkrümmung von -0.25 auf dem einen und -0.5 auf dem anderen Auge. Meine Frage lautet, ob ein so starkes Fortschreiten der Kurzsichtigkeit normal ist und ob Aussicht besteht, daß die Zunahme der Fehlsichtigkeit irgendwann mal aufhört. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit man in meinem Fall eine erbliche
Komponente dafür verantwortlich machen kann, da meine Mutter keine Brille benötigt und mein Vater Stärken von lediglich ungefähr -2.5 Dioptrien hat.

Außerdem trage ich weiche Kontaktlinsen (Monatslinsen). Im Alter von ungefähr 16 Jahren habe ich das erste Mal weiche Linsen bekommen, damals
noch reguläre. Da ich bei einem Augenarzt war, der generell gegen weiche Linsen ist (dafür auch in Optikerkreisen bekannt ist) und der nach ca.einem Jahr Tragen dieser Linsen Veränderungen (ich glaube, leichte Gefäßverschlingungen am Rand, wobei ich mir vorstellen könnte, daß die auch vorher schon da waren und er ihnen nur keine Beachtung geschenkt hat, da ich damals noch keine Linsen trug) feststellte, bin ich damals auf harte Linsen umgestiegen. (Wobei der Optiker, bei dem ich regelmäßig war und der meiner Meinung nach auch schon sehr vorsichtig die Wirkung der weichen Linsen aufs Auge beobachtet hat, keine bedenklichen
Veränderungen festgestellt hatte.)

Mit den harten Linsen bin ich nicht zurechtgekommen (z. B. habe ich ein leicht hängendes linkes Augenlid, das beim Linsentragen noch viel stärker "durchhing", und die Linsen haben sich auch oft auf den Augen festgesaugt) und habe daher zwischendurch nochmal ein gutes Jahr nur Brille getragen, bevor ich dann auf weiche Monatslinsen umgestiegen bin, die ich i. d. R. täglich trage. Ich gehe ca. einmal im Jahr zum Augenarzt (ein anderer als damals), und er hat keine besorgniserregenden
Veränderungen am Auge festgestellt. Er meinte, die Hornhaut wäre auch schön klar, usw.
Zum Thema Kontaktlinsen wüßte ich daher gerne, wie hoch eigentlich die tatsächliche Gefahr gefährlicher Augenschäden beim täglichen Tragen von Weichlinsen ist. Ich bekomme nach zu langem Tragen manchmal gerötete Augen, was sich aber normalerweise spätestens bis zum nächsten Morgen legt. (Es ist auch nie so, daß die Augen knallrot wären, es hält sich in Maßen.) Größere Probleme, z. B. Bindehautentzündungen, hatte ich allerdings noch nie, und ich möchte nicht gerne auf die Linsen verzichten.

Über eine Antwort auf meine Fragen würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen


OPTIKER ONLINE:
Sehr geehrte Frau H.!*

Wenn Sie die von Ihrem Kontaktlinsenoptiker durchschnittlich empfohlene Tagestragezeit und die Hygiene- und Pflegevorschriften einhalten, ist die Gefahr von Komplikationen extrem gering. Das von Ihnen angesprochene "lange Tragen" kann jedoch (wie Sie selbst merken) zu Irritationen und langfristigen ungewollten Veränderungen am vorderen Augenabschnitt führen. Wir empfehlen Ihnen daher vor allem bei den Tragezeiten aufzupassen. Überlegen Sie sich ein Modell, zu welchen Tageszeiten Sie Ihre Kontaktlinsen tragen und wann die Brille zum Einsatz kommt. Das Tragen der Brille verschafft den Augen eine "Atempause" und steigert somit die Langzeitverträglichkeit Ihrer Sehhilfen.

Übrigens ist die Zunahme der Kurzsichtigkeit bei 20-30jährigen Weichlinsenträger relativ üblich wie neuere Studien belegen. Einen Bericht dazu finden Sie im OPTIKUM, erreichbar im Internet unter www.optikum.at.

*Nachname des Leserbriefschreibers der Redaktion bekannt


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